Die Stärke des Buches ist gleichzeitig auch seine Schwäche: Check- und Fragelisten sind erst einmal gut geeignet, sich strukturiert vorzubereiten. Wie in etlichen anderen Meeting-Ratgebern sind aber auch die Autoren des „mini-handbuch (Kleinschrift weil mini?) Meetings leiten“ der Versuchung erlegen, alles rauszuhauen, was einem zum Thema einfällt und so obliegt es dem angehenden Meetingleiter pro Meeting mit drei, vier Tagesordnungspunkte sich durch Listen mit insgesamt über 100 Fragen zu kämpfen. Das macht kein Mensch.

Hilfreiche Tabellen, überflüssige Interviews

Das Kapitel, in dem es um die Ausformulierung der Ziele geht, die mit dem Tagesordnungspunkt verbunden sind (S. 24 ff) zeigt dabei die Spannbreite von eher weniger zielführenden Fragenkatalogen bis zu sehr starken Elementen, die mit einer Frage auf den Punkt kommen: Weniger spannend ist die einseitige Tabelle „Ziele mit den Teilnehmenden erreichen“, in der Motivation und Kompetenz der Meeting-Gruppe zu verschiedenen Themen abgefragt wird. Wenn über ein Thema entschieden werden soll und es fehlen die Entscheider, dann wird es nicht funktionieren („Kompetenz“). Das liegt auf der Hand, genauso wie die Vermutung, dass es schwieriger wird, wenn die Gruppe nicht motiviert ist. Eingängig, kurz und knapp ist dagegen die Tabelle „Ausformulierung der Ziele“ mit dem Kernsatz: „Am Ende der Sitzung haben wir…“, das zu der Beschreibung eines klaren Zielbildes zu jedem Tagesordnungspunkt auffordert. Das hilft im Meeting Spur zu halten, besonders wenn die Tagesordnung per Projektor an die Wand geworfen wird. Ebenfalls hilfreich: Die kurze Tabelle zum Thema Maßnahmenplanung (Seite 64).
Ebenfalls im Buch vertreten sind zwei Interviews mit Profi-Moderatoren, einer von der NATO, einer der Großgruppen-Veranstaltungen „co-chairt“. Nice to know, man kann sich aber fragen, was solche Interviews in einem Handbuch zu suchen haben, das auch noch das auch noch den Begriff „mini“ im Titel führt.

Mit Keksen gegen das Meeting-Chaos

Weitere Kapitel des Buches behandeln das Thema Selbstreflexion und dienen der Einschätzung der eigenen Meeting-Leiter-Kompetenzen und in welchen Bereichen noch nachgearbeitet werden sollte. Und liefern dazu jede Menge gute Tipps für den angehenden Moderator. Für das Thema Störungen und Konflikte bedienen sich die Autoren des Kommunikationsmodells von Friedemann Schulz von Tun (Die vier Seiten einer Nachricht) und wie es sich praktisch im Meeting anwenden lässt. Außerdem liefern sie sehr hilfreiche Tipps für kritische Situationen. Ob allerdings „(bisher versteckte) besonders leckere Kekse auftischen, Schokolade mit hohem Kakaogehalt knabbern lassen…“ gegen Chaos im Meeting hilft, sei einmal dahingestellt.
Bis auf den Ratschlag zur Raubtierfütterung enthält das „mini-handbuch“ viele nützliche Informationen, die zwar nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen hinterlegt sind, aber aus denen fundiertes Praxiswissen spricht – mehr nimmt das Buch auch nicht in Anspruch und ist somit ein solider Ratgeber im Taschenbuch-Format, wenn auch mit stattlichem Preis.

Martin Hartmann, Alexander Zoll, Rüdiger Funk (2017): mini-handbuch Meetings leiten, Taschenbuch, 194 Seiten, Beltz-Verlag, Preis: 19,95 Euro